Der Odenwald und die Neue Welt – Auswanderungen nach Amerika

Im Rahmen einer Living-History-Veranstaltung, die  in Kooperation mit dem Studienkreis Militärgeschichte e.V. stattfindet, wird  das Odenwälder Freilandmuseum in Walldürn-Gottersdorf am Samstag, den 23. und Sonntag, den 24. September für zwei Tage  einmal mehr Podium für wirklichkeitsnahe Vorführung zur Geschichte der Auswanderung in die Neue Welt.

Schon immer war die Aussicht auf die Verbesserung der Lebensumstände eine wesentliche Veranlassung für die Bewohner strukturschwacher Landstriche, das Bündel zu schnüren und die Heimat zu verlassen. Insbesondere von Amerika, der sog. „Neuen Welt“, versprach man sich eben diese Verbesserung. Aus dem badischen Odenwald gab es nicht nur die individuelle Auswanderung im 18. Jahrhundert, sondern das Großherzogtum Baden entschloss sich im 19. Jahrhundert sogar einmal, mit der Gemeinde Ferdinandsdorf ein ganzes Dorf nach den USA „amtlich“ zu verschiffen. Für Viele war das Elend insbesondere im 19. Jahrhundert so groß, dass sie die damals gewagte Reise unternahmen und damit oft auch die Familie hinter sich ließen. Neben diesen „Wirtschaftsflüchtlingen“ gab es aber auch jene die wegen politischer Motive Auswandernden, etwa nach dem Scheitern der 1848er Revolution. Wegen all dieser Emigranten begann auch für den Odenwald und seine Bewohner eine Beziehung zu den Vereinigten Staaten von Amerika, die bis heute anhält.

Die „Multiperiod-Veranstaltung“ bezieht in ihren vier Stationen mehrere Gebäude des Freilandmuseums ein und thematisiert unterschiedliche Aspekte der Folgen der Auswanderung. Die Belebung der einzelnen Zeitinseln erfolgt durch erfahrene Living-History-Interpreten, die dem Museumsbesucher in ihrer historischen Rolle begegnen und in die von ihnen verkörperte Zeit versetzen.

Die Besucher erfahren beispielsweise welche Gründe im Wandel der Zeit deutsche Familien zur Auswanderung nach Amerika bewegt haben und was sie in der neuen Welt erwartete.

Deutsche Siedler in Nordamerika im 18. Jahrhundert

Der Wunsch auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände und persönlicher Freiheit, treibt viele Deutsche dazu, nach Nordamerika auszuwandern. Noch ist gar nicht klar, wie riesig der Kontinent eigentlich ist. Es gibt genug Land für jeden, der bereit ist, die Ärmel aufzukrempeln. Kein Fürst untersagt in der Neuen Welt das Schlagen von Holz oder die Jagd. Fleiß und Mut bilden die Grundlage für das neue Lebensglück.

Die Farmer haben sich einer der zahlreichen deutschen Gemeinden angeschlossen. Sie roden ein Stück Land, bauen ein Haus und legen ein Feld an. Aus einem ehemals besitzlosen Tagelöhner wird ein tragendes Mitglied einer deutschen Gemeinde in der neuen Welt.

Freiheit und Demokratie – deutsche Auswanderer im amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865

Im Zuge der verlorenen Revolution von 1848 verlassen viele Deutsche gezwungenermaßen ihre Heimat und siedeln in Amerika. Sie möchten in einem Land ohne Unterdrückung durch die Obrigkeit leben. Als 1861 der Krieg gegen die Südstaaten ausbricht, eilen viele Deutsche und deutschstämmige Amerikaner der ersten Generation zu den Waffen, um die Werte, wegen derer sie die alte Heimat verlassen haben, zu verteidigen.

Das bessere Leben – Familie Backfisch 1919

Die Familie von Karl Backfisch hat es nicht leicht. Der kriegsversehrte  Karl arbeitet hart, um seine Familie durchzubringen und die Zeiten in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg sind alles andere als rosig. Er überlegt, ob er nicht seiner Tante Karolina, die Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert ist und einen Amerikaner geheiratet hat, folgen soll.

Die Amerikaner sind da! – die Besatzungszeit 1945

Der 2. Weltkrieg ist verloren, Deutschland  ist in Besatzungszonen aufgeteilt. US-Truppen, unter ihnen auch der eine oder andere GI mit deutschen Wurzeln, sind als Teil der Besatzungstruppen im Ort stationiert.

Nicht zuletzt durch den total unmilitärischen Kontakt zu deutschen Fräuleins wird in diesen Tagen der Grundstein für die später vielzitierte deutsch-amerikanische Freundschaft gelegt.

Die Spielzeiten beginnen jeweils Samstag und Sonntag jeweils um 11.00 Uhr. Am Samstag enden die Vorführungen um 18.00 Uhr und am Sonntag gegen 16.00 Uhr.  Das Museum ist, ebenso wie die Museumsgaststätte, von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

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