Bauernhaus aus Allfeld
Neckar-Odenwald-Kreis


 :: Erbaut: 1687     :: Wiederaufbau: ab 1987     :: Eröffnet: noch nicht zugänglich


Das  Bauernhaus aus Allfeld stammt aus einem Realteilungsgebiet. Das im Bauland übliche Erbrecht bestimmte die gleichmäßige sächliche Aufteilung des Besitzes unter alle direkten Nachfahren. Dies führte zu einer immer stärkeren Parzellierung der Anbauflächen von Generation zu Generation. Häufig waren davon auch, wie im Fall des Bauernhauses aus Allfeld, die Wohn- und Nebengebäude betroffen, die mehreren  Eigentümern mit unterschiedlichen Nutzungsrechten gehören konnten.

Das stattliche Fachwerkhaus mit seinem leicht auskragenden Obergeschoss ist  laut  Inschrift und gemäß Jahresringuntersuchung des Bauholzes 1687 erbaut worden. Anfangs war es ein dreizoniges Wohnstallhaus mit Wirtschaftsteil im Erdgeschoß und  Wohnräumen im Obergeschoss. Ein repräsentativer Fenstererker im oberen Geschoss weist auf die Lage der ehemaligen Stube hin.

Bauernhaus AllfeldSein dekoratives Fachwerk aus verzierten Knaggen und den geschweiften Viertelkreisbögen unterhalb des Brüstungsriegels sowie das Taustabprofil am Eckständer spiegeln den Zeitgeschmack des  ausgehenden 17. Jahrhunderts wider. Das übrige Fachwerk ist eher funktional und konstruktiv gegliedert.

Eine bedeutende bauliche Veränderung erfolgte um 1780, verursacht  durch die um sich greifende Besitzzersplitterung der Bauerngüter in Allfeld. Sehr häufig kam die geschossweise Hausteilung vor, seltener, wie an dem hier gezeigten Objekt, die Querteilung. Bis zu vier Parteien teilten sich das Gebäude schließlich. Die veränderten Eigentumsverhältnisse hatten einen grundlegenden Umbau des Wohnhauses zur Folge: Es erhielt einen weiteren Eingang und im Zusammenhang mit der neuen Hauserschließung wurden ganze Fachwerkwände erneuert und mit Bruchsteinen ausgemauert.

Trotz zweier weiterer Renovierungsphasen, zunächst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dann im Jahre 1931, bewahrte das Gebäude bis in die jüngste Vergangenheit bemerkenswerte ursprüngliche Details. Bis 1968 existierte in der Küche noch die alte Feuerstelle mit offenem Rauchfang. Wie wenig komfortabel sich das häusliche Leben gestaltete, belegt der Umstand, dass es im Wohnhaus nie einen Anschluss für fließendes Wasser gab. Mühselig mussten die Bewohner das Trink- und Brauchwasser eimerweise aus der Scheune herbeitragen. Auf die diffizilen Besitzverhältnisse weisen auch die angetroffenen unterschiedlichen Dachdeckungen hin: Neben älteren Biberschwanzreihen in Einfach- und Doppeldeckung treten auch neuere Partien  glasierter und unglasierter Falzziegel sowie Doppelmuldenfalzziegel auf. Die Zuständigkeit für die Dacheindeckung war unter den Eigentümern anteilsmäßig aufgeteilt.

Zum Hofkomplex, der an seinem ursprünglichen Standort einer Straßenerweiterung weichen musste, gehörten neben dem Wohnhaus noch zwei Stallscheunen. Da im Freilandmuseum die Rekonstruktion des gesamten Anwesens angestrebt ist, sollen entsprechende Wirtschaftsbauten ergänzt werden.

Das im Rohbau erstellte Haus aus Allfeld ist derzeit bis zur Fertigstellung auf der Wetterseite mit Bitumenplatten provisorisch geschützt.

 

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