Grünkerndarre aus Altheim
Neckar-Odenwald-Kreis


:: Erbaut: um 1900     :: Wiederaufbau: 1990     :: Eröffnet: 1991


Grünkern ist halbreif geernteter und gerösteter Dinkel. Der "Urweizen" Dinkel weist nur geringen Fruchtstand auf und kommt daher auch  mit kargen Böden zurecht. Er war daher vor Einführung der Düngemittel die geeignete Feldfrucht für die verwitterten Muschelkalkböden der Landschaft "Bauland".  Der aus dem Dinkel weiterverarbeitete Grünkern ist schon seit dem 17.Jahrhundert bekannt; für den Eigengebrauch nutzte man zur Röstung damals die Restwärme des Backofens und verwandte das Produkt als Suppeneinlage.

Im  Bauland hatte dann ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts beinahe jeder bäuerliche Betrieb seine eigene Darre, um halbreifen Dinkel  zu Grünkern zu trocknen. Zu jener Zeit erlangte seine Produktion in Nordbaden größere wirtschaftliche Bedeutung. Altheim zählte bis zum Zweiten Weltkrieg zu den Ortschaften in der Region mit dem höchsten Grünkerndarrenbestand. 1939 gab es am Rande des Dorfes, wo die Feuersgefahr am geringsten war, 22 Darren.

Die in das Freilandmuseum translozierte Altheimer Darre gehörte ursprünglich zu dem denkmalgeschützten Grünkerndarrenensemble am südlichen Ortsrand; der Fachwerkaufsatz war bereits zusammengestürzt. Es existierten nur noch die Grundmauern und die Darrbühne. Seine Wiederherstellung im Museum basiert auf  der sorgfältigen Untersuchung der vorhandenen Bauhölzer und einer historischen Fotografie.

Grünkerndarre AltheimDie Funktionsweise der Grünkerndarren ist denkbar einfach: Durch einen Rauchkanal, an dessen Mundloch ein Feuer entzündet wird, zieht der nicht mehr zu heiße Rauch in den Hohlraum unter das wie ein Sieb gelöcherte Darrblech. Der darauf ausgebreitete, halbreif geerntete Dinkel röstet nun hierauf in einem ca. vierstündigen Darrvorgang zu Grünkern. Während dieser Zeit belästigte  beißender Qualm die Arbeitenden enorm. Sie mussten den Käärn, wie er mundartlich heißt, immer wieder mit der Holzschaufel wenden, um ein Anbrennen zu verhindern.

Als Brennmaterial dienten vornehmlich Buchenholzscheite, da Buchenholzrauch den Geschmack zu des zu röstetenden Getreides vorteilhaft beeinflusst.

Außerhalb der Darrsaison nutzten die Altheimer Landwirte die Grünkerndarren als Strohlager. Die geschlossenen Wände gewährleisteten im Gegensatz zu dem weiter unten vorgestellten offenen Sindolsheimer Darrentyp (Baugruppe Bauland 4) einen vollkommenen Witterungsschutz.

Nahezu identisch mit dem technischen Aufbau und der Arbeitsweise dieser Darren waren übrigens die Flachsbrechhäuser Nordbadens und Mittelfrankens.

Im "Dritten Reich" erlebte die Grünkernherstellung einen großen Aufschwung. Die nationalsozialistische Kriegswirtschaft war bestrebt, Einfuhrgüter aller Art durch inländische Produkte zu ersetzen. Ideologisiert zur "Deutschen Suppenfrucht" sollte der Grünkern den ausländischen Reis verdrängen. In den 1960er Jahren geriet das Nahrungsmittel zunehmend ins Hintertreffen. Erst seit Mitte der 1970er Jahre legte es mit der  zunehmenden Bedeutung der "Vollwertkost" wieder kräftig zu, und so ist Grünkern heute in allen Verarbeitungsformen (Suppe, Küchle, Nudelbestandteil, Kuchen usw.) wichtiger Faktor gesundheitsbewusster Ernährung geworden.

In der Altheimer Darre ist eine Dokumenation zur Grünkernproduktion früher und heute eingerichtet

 

Zusätzliche Informationen