Gemeindedreschhalle und dörfliche Festhalle aus Bürgstadt
Landkreis Miltenberg


:: Erbaut: 1930     :: Wiederaufbau: 2001     :: Eröffnet: 2002


Dreschhalle BürgstadtDas Aufkommen von Dreschhallen hängt unmittelbar mit der Erfindung der Dreschmaschine zusammen. Zuvor hatte man das Getreide mit Dreschflegeln in der eigenen Tenne gedroschen. Die wenigstens Bauern konnten sich selbst so ein neues Gerät anschaffen und damit weiterhin auf dem eigenen Hofe dreschen. Daher schuf man die Gemeinschaftseinrichtung einer Dreschhalle, zu der man sein geerntetes Dreschgut verbrachte und von einer Dreschmaschine gegen Gebühr dreschen ließ. Die Dreschhalle bot hierzu den notwendigen Wetterschutz.

Die Bürgstädter Dreschhalle wurde 1930 erbaut. Später nutzte man das Gebäude auch als Festhalle für das jährliche Weinfest im Mai, zum letzten Mal noch im Jahr der Umsetzung 2001. So war dies ein wichtiger dörflicher Kommunikationsort.

Dreschhalle BürgstadtAuch im Museum kommt diese Doppelfunktion zum Ausdruck. Auf die Funktion als Dreschhalle weisen die zwei Dreschmaschinen hin, die Nutzung als Festhalle erfolgt bei verschiedenen Veranstaltungstagen des Museums.

Die Falzziegel des Daches stammen größtenteils noch aus der Bauzeit und wurden in der ersten deutschen Falzziegelei, der "Falzziegelfabrik Carl Ludowici" (gegr.1857 in Ensheim/Pfalz, 1883 umgezogen nach Jockgrim/Pfalz) gefertigt. Diese Ziegelei war mit 1100 Beschäftigten im Jahr 1939 das größte Ziegelunternehmen Europas.

Dreschhalle BürgstadtDie beiden Dreschmaschinen stellen eine Besonderheit dar: Es handelt sich um nur noch selten erhaltene Lanz-Dreschmaschinen, mit der Aufschrift: "Heinrich Lanz - Mannheim" Beide Geräte waren in der ehemaligen DDR bis 1989 (!) im Einsatz; und zwar in Naundorf, Landkreis Herzberg, nördlich von Leipzig. Sie bzw. ihre Holzteile sollten nach der Wende bei einem Osterfeuer als Brennholzlieferant dienen. Diesem Ansinnen kam jedoch ein geschichtlich engagierter Bürger zuvor. Er kaufte die beiden Maschinen an, nahm sie anlässlich eines Umzugs mit und überließ sie dem Odenwälder Freilandmuseum. Das Vorhandensein der beiden Lanz-Dreschmaschinen im Odenwälder Freilandmuseum, hergestellt in den 1920er Jahren in Mannheim, betrieben bis 1989 in der DDR, spiegelt damit auch ein Stück deutscher Geschichte wider.

 

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