Tagelöhnerhaus aus Walldürn
Neckar-Odenwald-Kreis


:: Erbaut: um 1789     :: Wiederaufbau: 1987-1988     :: Eröffnet: 1990


Das äußerst beengte Tagelöhnerhaus zeigt schon auf den ersten Blick, unter welchen finanziell wie auch räumlich bedrückenden Verhältnissen seine Bewohner lebten. Es führt eindringlich die seinerzeitige Wohnsituation der untersten sozialen Schichten in ländlichen Regionen vor Augen. Hier wohnten seit jeher Menschen, die sich bei Bauern oder später in gewerblichen Betrieben im Taglohn verdingten.

Anfangs war das Häuschen noch kleiner als heute: 1798 entstand auf einer Grundfläche von nur 4 mal 6 Metern eine Kammer und eine Küche; die Raumhöhe betrug ganze 1,80 Meter. Möglicherweise gab es hinter dem Gebäude noch einen kleinen Verschlag, der einen Abort und einen Kleinviehstall barg. 1840 erweiterte die Familie Karl das Häuschen um zwei Räume: ein Zimmer und eine winzige Küche kamen hinzu. Dieser neue Anbau besaß einen separaten Eingang. Wahrscheinlich wurde er zunächst als Altenteil genutzt. Später baute man die Küche zu einem Stall um, in dem eine Ziege gehalten wurde.

Die räumliche Enge zwang den Bewohnern von Anfang an sehr bescheidene Wohnverhältnisse auf. Zeitweise lebten hier sogar zwei Familien mit vielen Kindern. Alle Räume erfüllten mehrere Funktionen: So diente der vordere Raum gleichermaßen als Schlaf- und Wohnzimmer. Hier befindet sich auch eine Bodenklappe, die in den knapp einen Meter niedrigen Erdkeller führt.

TagelöhnerhausNoch um das Jahr 1970 war die sanitäre und technische Ausstattung des Gebäudes sehr bescheiden. Es gab weder Bad oder WC noch einen Stromanschluss. Während eine Gaslampe den vorderen Raum erhellte, beleuchteten Kerzen und Petroleumlampen die Küche und das angrenzende Zimmer. Bis zuletzt verliefen die Rauchrohre der Öfen frei durch alle Zimmer und mündeten in den Küchenkamin ein.

Die Untersuchungen des Restaurators ergaben, dass trotz der Armut, die fortwährend im Haus herrschte, die Bewohner viel Wert auf eine ästhetisch ansprechende Wanddekoration legten. Die im Museum gezeigte farbliche Gestaltung der äußeren und inneren Wandoberflächen datiert aus den 1930er Jahren, als das Häuschen  dem Tagelöhner Bernhard Salbreiter gehörte. Salbreiter war zunächst Ziegelknecht und  verdiente später als Steinhauer in einem der Walldürner Steinbrüche sein Brot.

Durch eine Tochter Bernhard Salbreiters konnte noch in Erfahrung gebracht werden, dass seine drei Kinder in der hinteren Kammer trotz der knappen Wohnverhältnisse ein eigenes Kinderzimmer besaßen - sicherlich eine liebevolle Besonderheit, wenn man bedenkt ,wie arm die Familie war, und dass Kinder zu jener Zeit auch in besseren Verhältnissen nur selten eigene Räumlichkeiten beanspruchen konnten.

 

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