Viehwaage aus Neunkirchen
Neckar-Odenwald-Kreis


:: Erbaut: 1906     :: Wiederaufbau: 1996     :: Eröffnet: 1996


 

Die eiserne Viehwaage aus Neunkirchen ist eine Konstruktion der Mannheimer "Maschinen- und Waagenfabrik" Butz und Leitz, wie sie im Katalog der Eberbacher Eisenhandlung Theodor D. David im Jahr 1906 angeboten wird. Dort ist sie ausgewiesen als "Eiserne Viehwaage in der Laufgewichts- oder Zentesimal-Konstruktion zum Verwiegen von Gross- und Kleinvieh".

"Diese Waagen", so heißt es weiter, "eignen sich besonders für Schlacht- und Viehhöfe, Landwirte und Gemeinden etc. zum Verwiegen von Gross- und Kleinvieh, sowie aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse."

Die Neunkirchener Viehwaage , die bis 1995 unweit des dortigen Rathauses stand, ist baugleich der Katalogabbildung, verfügt jedoch abweichend über ein Wiegevolumen von 1300 kg und hat eine Länge von 2,20 m und eine Breite von 1,05 m. Sie wurde von der Gemeinde zum Preis von 312 Mark erworben, wobei Entlastung und Eichung noch gesondert zu zahlen waren.

Die Dachziegel des Häuschens sind frühe Falzziegel und stammen vermutlich aus der Bauzeit. Hingegen ist die aufgenagelte Holzlatten-Verkleidung späteren Renovierungsphasen zuzurechnen. Im Museum wurden die zwei Rampen aus Pflastersteinen rekonstruiert.

Der Wiegevorgang, hauptsächlich durch Landwirte und gewerbliche Metzger in Anspruch genommen, war eine Amtshandlung. Amtlich bestellte Wäger bzw. Waagmeister standen hierzu bereit. Die Kunden erhielten einen Bescheid über das Wiegeergebnis, ausgestellt mit Namen und Stempel des Wägers. So war eine sichere Grundlage für den Verkaufserlös gegeben.

Die Neunkirchener Viehwaage wurde bis zum Jahr 1995 genutzt; in diesem letzten Jahr jedoch nur noch fünf Mal, haupsächlich anlässlich von Hausschlachtungen. Das Wiegen geschieht heute meist in den zentralen Schlachtbetrieben selbst, so dass die herkömmlichen Viehwagen auf den Dörfern - einst geschätzte Gemeinschaftseinrichtungen - außer Funktion geraten sind.

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