Ziegelhütte aus Unterschwarzach
Neckar-Odenwald-Kreis


:: Erbaut: 1788 - 1789     :: Wiederaufbau: ab 1994     :: Eröffnet: 2001


Im Jahre 1788 begann der Bäckermeister und Gemeindevorsteher Johann Adam Stumpf außerhalb des kurpfälzischen Dorfes Unterschwarzach an der Straße nach Schwanheim eine kleine Ziegelhütte zu erbauen. Sie sollte den Bedarf an Dachziegeln, Backsteinen und Baukalk im Ort und der Umgebung decken.

Ziegelhütten trugen entscheidend dazu bei, dass sich das äußere Erscheinungsbild der Dörfer im Odenwald allmählich wandelte. Anstelle Stroh gedeckter und zumeist kaminloser Häuser, bei denen der Rauch durch den Dachraum abzog, traten zunehmend Gebäude mit roten Ziegeldächern und Schornsteinen.

Johann Adam Stumpfs Baumaßnahme lag ganz im Trend der Zeit. Eindrucksvoll dokumentiert sich der Stolz des Bauherrn an einem auf Dörfern selten anzutreffenden Inschriftstein, der beim Abbau der kleinen Ziegelei entdeckt wurde. Die eingemeißelten Worte:  "Diesser Ziegel Bau in Anno 1788 durch die Gnad Gottes von Johann Adam Stumpff ein Becker dahier erbauet ..." und zwei 1788 und 1789 datierte Dachziegel belegen anschaulich, daß Stumpf um 1790 begann, regelmäßig Ziegel und Kalk zu brennen.

Ziegelei

Wie die bauliche Verdichtung des Grundstücks durch landwirtschaftliche Gebäude im Verlauf des 19. Jahrhunderts zeigt, betätigten sich die Besitzer der Unterschwarzacher Ziegelhütte jedoch in erster Linie als Bauern und betrieben die Herstellung von Dachziegeln und Mauersteinen im Nebenerwerb. 1901 gab der letzte Ziegler Karl Michael Fischer schließlich den Betrieb auf: Eine Fabrikziegelei am selben Ort machte die Handarbeit unrentabel. 

Die Unterschwarzacher Ziegelhütte besteht aus dem teilweise unterirdisch angelegten Brennofen, der Schürhalle, der Trockenhalle und einem kleinen, 1819/25 hinzugekommenen Wohnungsanbau, in dem die Zieglerfamilie bis1897 (in den 1890er Jahren nur noch die Altenteiler) lebte. Der Unterkunftsraum für die Ziegelknechte über der Trockenhalle existierte hingegen schon von Anfang an.

Bevor überhaupt Ziegel gebrannt werden konnten, musste der Ton entsprechend vorbereitet und geformt werden. Anschließend wurden die Rohziegel an der Luft getrocknet und im Brennofen gestapelt.

Die oben offene Brennkammer der Unterschwarzacher Ziegelhütte entspricht einem Baumuster, das sich über Jahrhunderte bewährt hatte und für viele Kleinziegeleien im süddeutschen Raum bis um 1900 Gültigkeit besaß.

Der Brennvorgang erforderte viel Erfahrung. Dabei musste der Ofen mehrere Tage rund um die Uhr mit stattlichen Mengen Brennholz versorgt und der Ziegelbrand kontrolliert werden. Dies war die Arbeit der Ziegelknechte.

Im Odenwälder Freilandmuseum wird die Ziegelhütte in ihrem letzten Betriebszustand kurz vor der Jahrhundertwende gezeigt. Wie durch ein Wunder hatten das Gebäude und der Ziegelbrennofen  beinahe 100 Jahre seit der Stilllegung ohne jede Veränderung überdauert.

Die Unterschwarzacher Ziegelei mit Wohnhausteil ist das älteste museal zugängliche Exemplar dieser Art aus vorindustrieller Zeit in einem deutschen Freilandmuseum.

Das 1.Obergeschoss des Wohntraktes birgt auch die größte "Feierabendziegel"-Sammlung der Region. Fast 200 solcher handgearbeiteten, verzierten und beschrifteten Biberschwanzziegel sind hier, in Jahrzehnten von Dächern gesammelt, vereint

 

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