Scheune aus Lampenhain wird aufgebaut

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Museumsleiterin Margareta Sauer freut sich über das neue Gebäude. „Mal wieder etwas im Museum aufbauen, das ist schon ein Highlight.“ Das letzte Haus, das im Freilandmuseum eröffnet wurde, was das „Haus Bofsheim“. Das wurde dem Publikum in zwei Schritten zugänglich gemacht. 2014 das Erdgeschoss, 2016 das Obergeschoss. Aber ein ganzes Gebäude neu aufbauen – das gab es im Museum schon lange nicht mehr. Die Scheune aus Lampenhain wurde bereits in den 1980er Jahren abgebaut, seitdem wurden die Bauteile zusammengelegt im Depot des Museums gelagert. 

 

Die Scheune hat im Erdgeschoss drei Zonen: Auf einer Seite wird eine barrierefreie Sanitäranlage errichtet. Im gegenüberliegenden Bereich entsteht ein Multifunktionsraum für museumspädagogische Angebote. „Dieser Raum bietet eine gute Ausweichmöglichkeit insbesondere bei Kinderaktionen und Workshops, bei denen man bisher bei schlechtem Wetter nur in die Dreschhalle des Museums ausweichen konnte“, erklärt Margareta Sauer. Und die Dreschhalle hat den Nachteil, dass man dort dem Wetter ausgesetzt ist. Selbst wenn man Planen aufhängt, ist es an kälteren oder feuchten Tagen dort nicht so richtig gemütlich. 

Das Dachgeschoss bietet Raum für kleinere Wechselausstellungen, die man dort zeigen könne und die dazu beitragen, die Attraktivität des Museums zu erhöhen. So könne man auch mit bescheideneren Mitteln immer wieder Schlaglichter auf verschiedene Aspekte des ländlichen Lebens werfen und zudem auch Objekte aus dem Depot ausstellen, die sonst nicht gezeigt werden können. Die Ausstellungsfläche wird rund 75 Quadratmeter groß sein. 


Kompromisse erfordert

Eine bauliche Herausforderung stelle die Kombination von historischem Gebäude und moderner Nutzung dar, so Sauer. Hygienevorschriften, Brandschutz, statische Anforderungen sowie baurechtliche Vorschriften müssten zusammen mit der historischen Bausubstanz unter einen Hut gebracht werden. Das sei nicht immer einfach und habe einige Kompromisse bei der Realisierung des Projektes erfordert. 

Die Kosten für den Aufbau liegen bei 450 000 Euro, man liege im Kostenrahmen. Rund 270 000 Euro Förderung gibt es. 

Der Aufbau des historischen Teils der Scheune wird aus dem Fördertopf für die baden-württembergischen Freilandmuseen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit 65 Prozent bezuschusst. 

Die Einrichtung der barrierefreien Sanitäranlage wird vom Naturpark Neckartal-Odenwald mit 60 Prozent gefördert. Die Scheune mit der barrierefreien Sanitäranlage befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Dreschhalle, in der die großen Veranstaltungen des Museums stattfinden. 

„Damit wird die Infrastruktur des Museums enorm aufgewertet, der Besucherservice gesteigert und das Museum für die Zukunft gerüstet“, betont Sauer. 

Bisher gab es Toiletten nur im vorderen Bereich des Museums. Und die sind auch schon in die Jahre gekommen – und vor allem nicht behindertengerecht. Im neuen Sanitärbereich wird es auch eine Dusche für die Akteure der Living-History-Veranstaltungen geben. 

Inhaltlich schließe die Scheune eine wichtige Lücke im Museumskonzept: Sie ergänze die vorindustrielle Ziegelei aus Unterschwarzach um den Aspekt der landwirtschaftlichen Nutzung. Bisher stand das Ziegeleigebäude ohne weitere Nebengebäude solitär im Gelände und habe bei den Besuchern den Eindruck erweckt, der Ziegler habe sich alleine durch das Ziegelbrennen ernährt, erklärt Sauer. Dem sei aber nicht so gewesen. 


Weiterer Aspekt

Da Ziegler nur in einer fest vorgeschriebenen Zeit zwischen dem Josefstag am 19. März und dem St. Gallustag am 16. Oktober brennen durften, der gesamte Brennvorgang aber fast einen ganzen Monat dauerte, konnte der Ziegler nur fünf Brände im Jahr durchführen. Der Verkauf des Brennguts aus fünf Bränden reichte aber nicht zum Überleben, daher betrieb er, um sich und seine Familie zu ernähren, auch Landwirtschaft. Mit der Aufrichtung der Scheune werde nun auch der landwirtschaftliche Aspekt in den Blick gerückt, so Sauer. 

Das Gebäude wird in Fachwerkbauweise aufgeführt und außen wie am Originalstandort in Lampenhain (ein Ortsteil der Gemeinde Heiligkreuzsteinach) mit Holzschindeln und Brettern verkleidet. Das Gebäude wird noch 2020 fertig werden, so Margareta Sauer. „Aber in Zeiten von Corona wird es keine offizielle Eröffnung geben.“

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